26 Jahrhunderte Ideologiekritik

Um 480 v. Chr.

„Drum ist es Pflicht, dem Gemeinsamen zu folgen. Aber obschon der Sinn gemeinsam ist, leben die Vielen, als hätten sie eine eigene Einsicht.“ (Heraklit, Frg. 2)

„Für der Lehre Sinn aber, wie er hier vorliegt, gewinnen die Menschen nie ein Verständnis, weder ehe sie ihn vernommen noch sobald sie ihn vernommen.“ (Heraklit, Frg. 1)

„Unsichtbare Fügung ist stärker als sichtbare.“ (Heraklit, Frg. 54)

Um 260 n. Chr.

„Denn ein Wesen, das etwas bewundert und ihm nachjagt, gesteht eben durch diese Bewunderung und dies Nachjagen ein, ihm unterlegen zu sein […].“ (Plotin, Enneade V 1, 2, 1-19)

1620

„Es giebt endlich Götzenbilder, welche in die Seele der Menschen aus den mancherlei Lehrsätzen der Philosophie und auch aus verkehrten Regeln der Beweise eingedrungen sind, und die ich die Götzenbilder des Theaters nenne; […] trotz der Mannigfaltigkeit des Irrthums ist doch die Ursache desselben überall die gleiche. Ich beziehe das nicht blos auf die allgemeine Philosophie, sondern auch auf manche Prinzipien und Lehrsätze der besonderen Wissenschaften, die durch Herkommen, Leichtgläubigkeit und Nachlässigkeit Geltung erlangt haben.“ (Bacon, De verulamio novum organum scientiarum)

1787

„Denn wir haben es mit einer natürlichen und unvermeidlichen Illusion zu tun, die selbst auf subjektiven Grundsätzen beruht, und sie als objektive unterschiebt […]“ (Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 354)

„Man kann allen Schein darin setzen: daß die subjektive Bedingung des Denkens vor die Erkenntnis des Objekts gehalten wird.“ (Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 396)

1867

„Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen. Durch dies Quidproquo werden die Arbeitsprodukte Waren, sinnlich übersinnliche oder gesellschaftliche Dinge. […] Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt.“ (Marx, Das Kapital)

1975

„Wenn die Wissenschaften von den empirischen Gegebenheiten ausgehen, ohne nach dem Ursprung dieser ‚Gegebenheiten‘ und nach ihrer eigenen Verfahrensweise zu fragen, so verwechselt [!] die Philosophie die formalistische Begriffsbildung in den modernen Wissenschaften mit einem unveränderlichen Substrat. So verschwindet jede Möglichkeit, die Verdinglichung, die Grundlage dieses Formalismus zu durchschauen.“ (Ishaghpour, Vorwort zu Goldmanns ‚Lukács und Heidegger‘)

1991

„Die anfängliche ‚Illusion‘ des Subjekts liegt einfach darin, daß es vergißt, seine eigene Tat dazuzurechnen […].“ (Zizek, Liebe Dein Symptom wie Dich selbst!)

2014

Wer (an) Philosophen glaubt, hat nichts von Ihnen gelernt.

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